Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Gesellschaften in Europa immer älter werden. Während andere Länder, allen voran Dänemark und Schweden, längst reagiert und die Lebenserwartung in die Berechnung der Pensionen miteinbezogen haben, lässt sich Sozialminister Rudolf Hundstorfer zumindest vordergründig nicht aus der Ruhe bringen. Und erinnert damit an den deutschen Arbeitsminister Norbert Blüm , der sich 1986 mit seinem Konterfei für die CDU mit dem Motto plakatieren ließ: „Eines ist sicher: die Rente“. Die Geschichte hat leider anderes gezeigt: Wenn eines sicher ist, dann, dass die Pensionen nicht sicher sind.

Doch auch hierzulande gilt bei diesem Thema noch immer die Tendenz, Fakten vom Tisch zu wischen. Pensionsexperte Bernd Marin rechnet seit Jahren vor, dass wir mit unserem Pensionssystem über unsere Verhältnisse leben. Konkret: Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens in der Pension, das kostet den Staat 15 Milliarden Euro pro Jahr. Wir haben uns alle unsere Pension redlich verdient, nur leider verabschieden wir uns viel zu früh in die bezahlte Nichtarbeit. Die Österreicher gingen 2014 mit durchschnittlich 59,7 Jahren in Pension, die restlichen Europäer erst mit 63,1 Jahren. Was tun?

Marin, aber auch Franz Schellhorn , Chef der Denkwerkstatt Agenda Austria, weisen nach Schweden. Dort war der Staat schon mal fast pleite. Dann schwor die sozialdemokratische Regierung die Bevölkerung auf Reformen ein. Der Arbeitsmarkt wurde flexibler, die Pensionen an die Lebenserwartung angepasst. Für Österreich würde das heißen: Abschläge für jedes Jahr der Frühpensionierung, Anpassung an das Lebensalter, schnellere Anhebung des Pensionsalters für Frauen. Dafür müssten die Politiker „raus aus dem politischen Bazar“, forderte jüngst Marc Fähndrich von der EU-Kommission.

Leichter gesagt als getan. In Zeiten großer politischer Wenden deutet nichts darauf hin, dass die Regierung mutiger wird. Die FPÖ verlangt sogar noch höhere Ausgaben für die Pensionen. Wer zahlt’s? Natürlich wir. Wer wählt? Auch wir. Apropos: Ohne Ausländer wird unser Pensionssystem zusammenkrachen. Auch das ist sicher.

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