Seit 2007 ist der US-Fonds Cerberus bei der Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) Haupteigentümer. Die frühere Hausbank des Gewerkschaftsbundes hatte nach bilanziellen Sorgen unter Helmut Elsner den heutigen Notenbankgouverneur Ewald Nowotny als Generaldirektor. Spätestens seit 2009 Byron Haynes das Ruder in der Bank übernahm, ging es so richtig zur Sache. Man wollte drei bis höchstens fünf Jahre an Bord bleiben und verkaufen. Gewinnbringend, versteht sich. Doch der Plan ging nicht auf.

Seit Herbst 2014 schwor Haynes seine Mitarbeiter auf einen Börsengang ein, seit Februar bereiten Investmentbanken den Gang aufs Parkett vor. Gleichzeitig hielt sich Cerberus die Option offen, die Bank an einen Bestbieter zu verkaufen. Interesse zeigten geheimnisvolle japanische und chinesische Fonds.

Genauso hartnäckig hält sich das Gerücht, die spanische Großbank Santander könnte die Bawag übernehmen. Geschäftlich würden die zwei gut zusammenpassen. Die Spanier sollen aber nicht bereit sein, den kolportierten Kaufpreis von rund vier Milliarden Euro hinzublättern.

In den vergangenen Jahren wurde die Braut Bawag herausgeputzt und hat viele Hausaufgaben gemacht, die anderen Banken noch bevorstehen: Produkte wurden standardisiert, Jobs abgebaut, Kosten gesenkt. Logisch, dass Cerberus bei einem Ausstieg zumindest den 2007 genannten Kaufpreis von 3,3 Milliarden Euro lukrieren will. Möglich scheint das derzeit nur über einen Börsengang. Den Amerikanern kommt jetzt die Not der Deutschen Bank gelegen, die ihre Tochter Postbank verkauft. Cerberus bietet mit. Das Geschäftsmodell ist jenes der Bawag.

Folgendes Szenario scheint realistisch: Die Bawag macht eine Kapitalerhöhung und kauft die Postbank. Damit hat ein Börsengang mehr Gewicht. Gleichzeitig verkleinert Cerberus seine Anteile und kann gewinnbringend aussteigen. Ein Klotz am Bein ist der offene Rechtsstreit der Bawag mit der Stadt Linz wegen schiefgegangener Veranlagungen. Das Risiko wird Cerberus übernehmen müssen. Bis Ende Juni will man zwar noch auf einen Käufer warten, aber es spricht alles für einen Börsengang.

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