Wolfgang Schüssel wollte das Land verändern. Das hat er als Kanzler von 2000 bis 2007 auch getan – freilich anders, als von ihm selbst erhofft. Schüssel machte Jörg Haider und seine FPÖ zum Mitspieler auf Bundesebene und wollte Haider durch Einbindung entzaubern. Gelungen ist das nicht. Schon eher umgekehrt. Trotz wichtiger Weichenstellungen für die Wirtschaft blieb von Schüssels Regierungen das Fiasko der kaputten Hypo Alpe Adria. Die kann keiner abschreiben wie in einer Bilanz, und schon gar nicht der Steuerzahler.  Milliarden verschwanden in dem Fass ohne Boden.

Haiders in den Himmel gelobte Hausbank Hypo brachte auch das staatliche Budget ins Wanken. Dabei hatte der Politiker noch 2007 nach dem Verkauf der Hypo an die BayernLb getönt: „Kärnten wird reich. Wir werden den Löwenanteil der Hypo-Millionen für die kommenden Generationen anlegen. Damit handeln wir im Sinne der jungen Menschen dieses Landes nachhaltig und zeigen Weitblick.“ Nichts ist daraus geworden. Gehen wir mal davon aus, es sind rund 20 Milliarden Euro, die uns heute noch fehlen und Finanzminister Hans Jörg Schelling bis in den Albtraum seiner schlaflosen Nächte verfolgen.

Ganz andere Träume träumen offensichtlich die Gefolgsleute der FPÖ und des Strahlemannes Heinz-Christian Strache. Und leiden unter dem Syndrom der Vergesslichkeit. Die FPÖ und Haider waren anscheinend eine Seifenblase, auf der nur ÖVP und SPÖ ausrutschten.  Diese Vergesslichkeit und die gemeinsame Ablehnung vor dem ausländischen Zuwanderer haben die FPÖ in der Steiermark und im Burgenland punkten lassen. Dabei wird Jörg Haider in die Geschichte als jener Mann eingehen, der die größten Staats- und Strukturreformen des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg eingeleitet hat. Kein Scherz.

Der Grund: Der Staat wurde durch die Hypo und die Misswirtschaft in Kärnten geradezu dazu gezwungen, endlich den öffentlichen Geldhahn zudrehen. Angefangen damit hat er schon, und Kärnten muss definitiv den Gürtel enger schnallen. Nur interessant, dass die lieben Wähler nicht mehr wissen, wer ihnen das ganze Schlamassel eingebrockt hat – und am Ende wieder den Bock zum Gärtner machen. So lange die Populisten diese Stimmen bekommen, so lange wird der Staat noch mehr ausgenommen werden. Und Haider wird nolens volens posthum zum großen Reformator. Weil kein Geld mehr zum Verteilen da sein und der Weg der Reformen unabwendbar sein wird.

Foto: Dieter Zirnig, Lizenz: CC BY 2.0