News-Kolumne: Neuer Chef für Energie und Bergbau

Seit April wird in der heimischen Energiebranche kräftig umgerührt – zumindest im öffentlichen Bereich. Zuerst wurden in der staatlichen Regulierungsbehörde E-Control zwei neue Vorstände gekürt, bis spätestens Herbst werden Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch die neue Strategie festlegen. Sie folgten den langjährigen Vorständen Walter Boltz und Martin Graf, der jetzt bei der Energie Steiermark im Vorstand sitzt. Im Zuge dieser Personalrochaden gab es immer wieder auch das Gerücht, Christian Schönbauer, seit 2011 Sektionschef für Energie und Bergbau im Wirtschaftsministerium, habe Abwanderungstendenzen in Richtung seines früheren Arbeitgebers E-Control. Jetzt ist fix: Am 1. September ist es soweit.

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http://www.news.at/a/economy-class-mitterstieler-energie-bergbau-6951013

 

 

Wir haben keine Flüchtlingskrise, viel eher eine Fernsehkrise

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher geht davon aus, dass die Mehrheit der Südtiroler dem italienischen Staat die Eigenständigkeit oder die Rückkehr nach Österreich vorziehen würden – die rechtlichen Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Der Brexit ist durch, die Briten wollen los von Brüssel. Denken Sie da auch an ein Los von Rom?
Die Euroskeptiker haben gewonnen. Das ist schlecht für Großbritannien, Europa und Südtirol. Wenn die völkerrechtlichen Voraussetzungen gegeben wären, wäre eine Eigenständigkeit nach dem Muster der mehrsprachigen Schweiz oder die Zugehörigkeit zu Österreich vorstellbar. Allerdings wären solche Szenarien im geltenden Rechtsystem nur mit Zustimmung Roms möglich und das ist alles andere als realistisch.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bei einer Veranstaltung in Bozen das Selbstbestimmungsrecht Südtirols gefordert. Geben Sie ihm Recht?
Die Südtiroler haben dieses Selbstbestimmungsrecht schon. Denn dieses Recht ist ein unveräußerbares Recht aller Völker im Sinne der UN-Charta. Das ist aber nicht mit einem unmittelbaren Recht gleichzusetzen, jederzeit einen eigenen Staat zu gründen, Grenzen zu verschieben oder eine Sezession durchzuführen. Die Forderung Straches und Hofers ist deshalb sehr populistisch und zeugt eher von Unkenntnis des Völkerrechts.

Was wollen die Südtiroler selbst? Die Unabhängigkeit, die Autonomie, zurück zu Österreich?
Wenn es die realpolitischen und rechtlichen Voraussetzungen dazu gäbe – wie gesagt, würde das im geltenden System die Zustimmung Italiens voraussetzen – würde sich wohl eine Mehrheit der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung sowohl für die Option eines eigenen Staates als auch für jene, zurück zu Österreich, aussprechen. Bei den Italienern in Südtirol würde sich das wohl umgekehrt verhalten, auch wenn ihnen Minderheitenschutzinstrumente zugesichert würden. Das Szenario ist aber wegen der fehlenden Zustimmung Italiens ohnehin völlig unrealistisch. Wir tun sehr gut daran, den bisher äußerst erfolgreichen Weg der Autonomie weiter zu gehen und die europäische Perspektive einer Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino noch stärker ins Auge zu fassen.

 

Wenn Sie mehr dazu lesen wollen, auch was Kompatscher über die doppelte Staatsbürgerschaft für die Südtiroler denkt, klicken Sie hier:

http://www.news.at/a/fakten-wir-flüchtlingskrise-fernsehkrise-6750047

 

Guten Montag, 

Zum Wochenstart eine Anmerkung auf News Wirtschaft über variable Vergütungen und ihren Vorteil für die Firma, wenn sie gut angewandt werden.

Ein Backstage dazu:

@Backstage: Ich habe schon vor einigen Jahren über das damals neu entwickelte Modell der variablen Vergütung beim Leuchtenhersteller Zumtobel geschrieben. Jetzt ist erstmals das passiert, was Vorstände fürchten wie der Teufel das Weihwasser: Ihre Renumeration wurde fast halbiert, weil das Ergebnis nicht so toll war. Ich habe darüber auch mit Aufsichtsratschef Jürg Zumtobel diskutiert.

Noch Fragen? Bitte einfach reinklicken:

http://www.news.at/a/manager-entlohnung-bonus

Gusenbauer im News: „Kern ist schon ein Ereignis“

Wachstum braucht Innovation. Auch der neue Bundeskanzler ist eine Innovation. Sagt sein Vorvorgänger Alfred Gusenbauer und beschreibt, wie man mit Innovation Gesellschaft und Wirtschaft befeuern könne: „Innovation hat zwei wesentliche Ebenen: zum einen die permanente Verbesserung von Produkten, Prozessen, Abläufen innerhalb und außerhalb der Betriebe, zum anderen die Verbindung von Integration und Bildung als ökonomische Strategie.“

Innovation falle Unternehmen allein aus dem Grund leichter, dass sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen. Da die öffentliche Hand naturgemäß keine Marktanteile verlieren könne, müsse hier der Anstoß zur Innovation öfter durch Ereignisse geschaffen werden. Konkretes Beispiel: „Christian Kern ist schon ein Ereignis. Der Kanzler, der klar sagt: Wir verändern die Gewerbeordnung, vereinfachen die Verwaltung. Kern und der Finanzminister haben offensichtlich eine ganze Liste von Punkten, die man angehen will und die nicht strittig ist.“ Ein Tipp für den neuen Kanzler: „Das Wichtigste ist, dass Kern als Regierungschef in den nächsten zwei Jahren möglichst viele pragmatische Lösungen auf den Weg bringt, wenn sie auch keine Weltwunder sind. Die Leute müssen das Gefühl haben: Da geschieht ja doch etwas.“

Daher brauche es die Verzahnung von Integration und Bildung. In allen OECD- Staaten, Österreich inklusive, wachse die Differenz zwischen primären Einkommensverhältnissen (Nettoeinkommen). Selbst die beste Verteilungsstrategie könne die Ungleichheiten auf Dauer nicht zudecken.

Karl Sevelda, Chef der Raiffeisen Bank International, fordert anlässlich des zweiten Wiener Strategieforums der WU eine radikale Föderalismusreform, mit Wegfall von Gewerbeordnung und Kammerbürokratie. Außerdem solle man Betriebe durch eine radikale Verwaltungsreform entlasten. Gusenbauer sagt, man müsse die Bevölkerung beim Thema Föderalismus etwa über eine Volksbefragung miteinbeziehen, damit sich etwas verändere. Ein bisschen mehr Wirtschaft kann der Politik echt nicht schaden.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: mitterstieler.esther@news.at

Schwedenbomben: Mit oder ohne?

Vor drei Jahren waren die Schwedenbomben in aller Munde: Das Unternehmen Niemetz, das die süßen Bomben herstellt, geriet in Schieflage. Heute ist die Firma wieder auf einem guten Weg und will ins Ausland expandieren.

Die erste und entscheidende Frage rund um die Schwedenbomben lautet natürlich: Mit oder ohne Kokosstreusel? Die Frage kann die Wogen bei einem Abendessen höher gehen lassen. Klar ist in jedem Fall: Schwedenbomben machen alte Träume wahr. „Ich erinnere mich noch genau, wie ich als Kind mit der Mama im nächsten Supermarkt im Pinzgau war und wir eine Großpackung ins Einkaufswagerl gelegt haben. Zu Hause wurden die Süßigkeiten unter uns vier Kindern verteilt“, sagt Gerhard Schaller, Geschäftsführer der Niemetz-Zentrale in Wiener Neustadt. „Jeder hat eine persönliche Geschichte mit den Schwedenbomben.“

Die Historie des Unternehmens geht weit zurück: 1890 wurde die Konditorei Niemetz gegründet, 1926 erfand Konditor und Patissier Walter Niemetz mit seiner Frau Johanna die Schwedenbomben. Niemetz hatte sieben Jahre lang bei einem bekannten französischen Patissier das Handwerk gelernt. Einige Jahre später, als ein schwedischer Kollege aus seiner Lehrzeit Niemetz in Österreich besuchte, diskutierten sie lange über ein Patisserieprodukt mit höchster Eiweißschaumqualität. Das half Niemetz und seiner Frau, die Schaumküsse zu kreieren, die heute noch Groß und Klein in Österreich zum Schwärmen bringen. Zu Ehren des Freundes nannte Niemetz die kleinen Schokoküsse Schwedenbomben.

Heute noch werden die süßen Bomben nach traditionellem Rezept gefertigt, das – ebenso wie jene für die Schokoriegel Manja und Swedy -im Tresor aufbewahrt wird. Seit 2014 kommt nur noch Fairtrade-Schokolade in die Bomben, eine natürliche Alge konserviert den Kuss. Deshalb ist er nur drei Wochen haltbar, dafür aber ein klassisches Frischeprodukt, in das die Konsumenten gerne reinbeißen, sagt Schaller. Dass es Niemetz und die Schwedenbomben noch gibt, grenzt dennoch an ein kleines Wunder. Über die Jahre geriet das Unternehmen in Schieflage, die Produktion am Wiener Rennweg war kurz vor dem Zusperren. Vor drei Jahren machte eine Initiative von Facebook-Freunden mit der Seite „Rettet die Niemetz-Schwedenbomben“ ein modernes Crowdfunding-Märchen wahr. Die Seite weist heute 17.901 Freunde aus, der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 2013. Damals kauften die Leute nach dem Aufruf binnen weniger Wochen massenweise Schwedenbomben -und die Produktion konnte weiterlaufen.

Mit dem Einstieg der Meinl-Tochterfirma Heidi Chocolat ging es geschäftlich endgültig bergauf. Im September 2015 zog das Unternehmen nach Wiener Neudorf und hat mittlerweile doppelt so viele Jobs wie vor drei Jahren geschaffen. Die derzeit 100 Mitarbeiter haben mitgeholfen, auch den Umsatz von Niemetz zu verdoppeln.

Schwedenbomben selber machen

Heute ist Geschäftsführer Schaller stolz darauf, dass Niemetz die einzige Pleite war, bei der die Gläubiger ihr Geld zu hundert Prozent zurückbekommen haben. Das hängt mit der Strahlkraft der Marke Schwedenbombe zusammen, die sensationellen 90 Prozent der Österreicher bekannt ist. Die Schwedenbomben, die Schaller ein „österreichisches Kulturgut“ nennt, gehören nach Manner-und Kindermilchschnitten zu den beliebtesten Süßwaren im Land.

Wann isst man eigentlich Schwedenbomben? Nur zu besonderen Anlässen wie Ostern, Weihnachten, Familienfeiern? Heinz lacht: „Bei uns gibt es immer einen besonderen Anlass. Also, am Abend geht sich so ein Betthupferl schon aus.“ Und natürlich darf die obligate Frage nicht fehlen: Mit oder ohne? Schwarz oder weiß gesprenkelt? „Der Opa muss die Schwarzen essen, weil die Oma die Weißen lieber mag“, erzählt Johanna.

Mythen rund um die Schwedenbomben gibt es zur Genüge. Die Füllung ist jedenfalls immer dieselbe, die Größe ebenso. Nur weil wir gewachsen sind, sind die Schwedenbomben nicht gleichzeitig geschrumpft. Kreative Variationen gab und gibt es rund um die Schokobombe viele. Andrea etwa erzählt, wie sie für Johanna zum 10. und 20. Geburtstag eine Torte aus Schwedenbomben mit extra Tortenboden und Creme als Auffüllmasse gebacken hat. Der 30. Geburtstag ist zwar noch weit entfernt, Johanna freut sich aber jetzt schon auf den nächsten Schwedenbombenkuchen. Es gibt noch viele andere Kreationen. Von einer besonders schrägen Mischung weiß ein Kollege in der Redaktion zu berichten: „In der HAK Wien 8 gab es am Schulbuffet Semmeln mit eingelegter Schwedenbombe.“

Als Heidi Chocolat Niemetz 2013 übernahm, stellten sich dem neuen Management viele Fragen: Soll man die Schwedenbomben genauso „altvaterisch“, wie Konkurrent Heindl es nannte, weiterführen oder etwa die Verpackungen durch modernere ersetzen? Schaller, seit 2014 Geschäftsführer, erklärt: „Wir haben uns für die Tradition entschieden, und die Zahlen geben uns recht.“

Expansion im Herbst

Neben Schwedenbomben hat Niemetz die Schokoriegel Manja (Haselnuss) und Swedy (Erdnuss) sowie die mit Rosinen gefüllten Mozartpolsterl im Sortiment. Denkt man auch an die Kreation neuer Produkte? Rund um die Mozartpolsterln könne es etwas Neues geben, verrät Schaller vorsichtig, aber noch sei nichts spruchreif. Zurückhaltend ist der Geschäftsführer auch mit der Bekanntgabe genauer Zahlen. Wann gedenkt man, in der Gewinnzone zu landen? Dazu nur so viel: „Wir sind am richtigen Weg“, sagt Schaller, übrigens Ehemann von Familienministerin Sophie Karmasin. „Rein operativ sind wir super unterwegs. Wir müssen jetzt aber die Kosten der Übersiedlung verdauen.“

In Wiener Neudorf kann Niemetz theoretisch einen Dreischichtbetrieb fahren und täglich eine Million Schwedenbomben übers Band laufen lassen. Derzeit fährt man eine Schicht, die Süßwarenmanager haben aber viel vor. Im Herbst wollen sie in Bayern und Slowenien an den Markt gehen.

Da die süßen Bomben begrenzt haltbar sind, will Niemetz sich auch nicht zu weit vom Heimatland entfernen. Schon jetzt produzieren die frisch gebackenen Wiener Neudorfer pro Jahr so viele Schwedenbomben, dass man mit den Sechserpackungen den Weg von Wien nach Stockholm auslegen könnte -und ein paar Ausflüge rund um Stockholm noch dazu, sagt Schaller stolz. In den nächsten Jahren sollen die Mengen freilich weiter steigen.

Derzeit vernaschen die Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt zwischen einer und zwei Sechserpackungen Schwedenbomben pro Jahr. Geschäftsführer Schaller will sie dazu verführen, bald mehr als zwei Packungen zu verzehren. Verkostungen – in Supermärkten, aber auch an weniger naheliegenden Orten wie Baumärkten oder Libro-Filialen -sollen sie auf den Geschmack bringen.

Am 17. Juni, dem Jahrestag der Rettung, werden an verschiedenen Spots die süßen Schokoküsse verteilt. Pro verkaufter Packung spendet Niemetz zehn Cent an die Behindertenorganisation Roll On, weil man etwas an die Menschen zurückgeben wolle, so Schaller. Eine Location für die Aktion steht jetzt schon fest: Der Wiener Schwedenplatz wird an dem Tag zum Schwedenbombenplatz.

News-Kolumne: Wer will den Herold?

Die Sache ist streng geheim. So geheim, dass sich niemand aus der Deckung wagen und schon gar nicht zitiert werden will. Klar ist: Die Eigentümer von Herold wollen verkaufen. „Bin ich der Herold?“ – mit diesem Werbespruch sind die ehemaligen Gelben Seiten im Bewusstsein der meisten Österreicherinnen und Österreicher präsent. War das Unternehmen noch vor zehn Jahren printlastig und stand vor allem für die gelben Telefonbücher, kann man heute sagen: Geschäftsführer Thomas Friess und seinem Team ist es gelungen, die Gelben Seiten ins digitale Zeitalter zu beamen. Mit seinen Kollegen in der Geschäftsführung, Uwe Stadelbauer und Martin Kargl, hat Friess gleich noch viele andere neue Bereiche unter dem Unternehmensdach angesiedelt – und kann nicht zuletzt auf ein 500 Mitarbeiter starkes österreichweites Verkaufsteam setzen.

Trotzdem will der Haupteigentümer Triton, ein skandinavischer Beteiligungsfonds, den Herold verkaufen, heißt es aus gut informierten Kreisen. Der Herold habe einen Investmentberater beauftragt, neue Eigentümer zu suchen. Friess sagt dazu lediglich: „Das kommentiere ich nicht.“ Auch ein Triton-Sprecher will sich dazu nicht äußern. Ein kurzer Rundruf unter heimischen Managern ergibt, dass viele schon abgewunken haben.

Das liegt auch an den Unternehmenszahlen. Bei einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro im Jahr 2014 legte Herold ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 4,5 Millionen Euro vor. Im Schnitt könnte Triton für den Herold ein sogenanntes Multiple von fünf bis acht verlangen: Multipliziert man also 4,5 mit fünf respektive acht, ergäbe sich ein Kaufpreis in der Bandbreite von 22,5 bis 36 Millionen Euro.

Ein Blick auf die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre offenbart jedoch: Die Bilanzen sehen weniger stolz aus, als es einer gut geschmückten Braut gebührte. Umsatz und Ergebnis sind teilweise deutlich gesunken, außerdem werden zum Teil hohe Abschreibungen ausgewiesen, die nicht jedem Interessenten gefallen. Das sehen zwar nicht alle so, dennoch wird der Deal keine g’mahte Wies’n für den Herold.

 

News-Kolumne: Auf der Suche nach einer neuen Effizienz

Die Basis will eine Reform, aber die Organisation beharrt auf ihrer Struktur. Beispiele gefällig? Nach den Wahlen am Sonntag bieten sich die ÖVP, aber auch die SPÖ an. Auch Kammern und sonstige Institutionen, nicht nur solche mit Pflichtmitgliedschaft, dürfen sich angesprochen fühlen – zum Beispiel die Industriellenvereinigung (IV). Es rumort bei den Industriellen, weil ihnen die Organisation zu wenig effizient erscheint.

Mitte Februar äußerte der Industrielle Cord Prinzhorn im „Trend“ seinen Unmut über die Zustände in der IV und drohte, weniger Mitgliedsbeitrag zu zahlen, solange sich die Organisation nicht reformiere. Dann gesellten sich noch klingende Namen wie Alfred Heinzel – der Industrielle war früher auch Aufsichtsratschef der ÖIAG – zu Prinzhorn dazu.

Wenige Tage später gab sich IV-Präsident Georg Kapsch in der ORF-„Pressestunde“ zurückhaltend. Nur so viel war klar: Man rede miteinander. Das ist anscheinend immer noch der Fall. Dennoch heißt es aus gut informierten Kreisen, dass die Mitgliedschaft von Prinzhorn vor ein paar Tagen ruhend gestellt wurde. Es gibt auch andere Industrielle, die sehr viel von der Bundesorganisation und ihrer Arbeit, aber deutlich weniger von den Landesorganisationen halten. Und wieder zeigt sich eine Parallele zur Politik: Viele lokale Landeskaiser beharren auf dem teuren Status quo.

Heinzel sagt im Gespräch mit News: „Ich bin grundsätzlich mit der IV zufrieden, insbesondere mit dem Präsidenten, da er politisch unabhängig ist und Themen vorgibt. Kritisch bin ich aber gegenüber der Organisation selbst.“ Man könne nicht nur die Politiker kritisieren und dann bei sich selbst nicht hinschauen. Also fordert Heinzel: „In Kärnten und in der Steiermark gibt es in der IV eine gute Zusammenarbeit, dort könnte man die Büros zusammenlegen, ohne dass wir den Kärntner IV-Präsidenten aufgeben.“ Andere Mitglieder stellen auch die Geschäftsstelle im Burgenland infrage.

Denkt man wieder an die Politik, sollte sich die Organisation der Reform nicht verschließen. Sonst laufen ihr die Mitglieder bald genauso davon wie den Regierungsparteien die Wähler.

Es ist alles eine Frage des richtigen Zeitpunktes

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Dieses Sprichwort wird Eduard Zehetner, bis Ende April 2015 Vorstandsvorsitzender der Immofinanz AG, Anfang der Woche eingefallen sein. Noch vor einem Jahr – kurz vor seinem Abgang in die Pension – wollte er die Früchte seiner Sanierungsarbeit ernten. Aber erst jetzt scheint der Apfel reif. Zur Erinnerung: Die Immofinanz AG hatte damals ein Auge auf die CA Immo geworfen und wollte das gut ins Portfolio passende, ebenfalls an der Börse notierte Immo-Unternehmen übernehmen.

Schon einige Jahre zuvor hatte die Immofinanz um die Braut gerungen, doch der russische Immobilienmilliardär Boris Mints kaufte mit seiner O1 Group damals 26 Prozent der CA Immo. Und die heimische Immo-Traumhochzeit war vorerst ausgeträumt.

Einige Jahre und mehrere Zerwürfnisse zwischen den Hauptakteuren später ist plötzlich die Zeit reif für die Traumpartie. Die Chemie zwischen Zehetner und dem damaligen CAImmo-Vorstandschef Bruno Ettenauer stimmte spätestens dann nicht mehr,
als Ettenauer als Chef des neuen Immoriesen gehandelt wurde.

Jetzt zieht also der russische Teilhaber ab, hält aber derweil noch zusammen mit der CA Immo zehn Prozent an der Immofinanz. Schließlich hatte man zwischenzeitlich feindliche Absichten gegen das gegnerische Lager gehabt. Ob und wie der Rückzug hier ausschauen könnte, ist offen. Wahrscheinlich wird alles in einem Aufwasch bereinigt. Dann entsteht ein neuer Immoriese in Wien, jetzt sei dafür genau der richtige Zeitpunkt, sagt der CA-Immo-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Ruttenstorfer.

Logisch und passend wäre der Deal freilich schon vor einem Jahr gewesen, die Börsianer hatten ihn geradezu herbeigesehnt. Man hätte das Ganze billiger haben können, weil eine Übernahme für die Aktionäre aus steuerrechtlichen Gründen günstiger wäre als
eine Fusion. Mints hat hoch gepokert und verdient jetzt gut am Ausstieg. Der neue Immofinanz-Chef Oliver Schumy wird nun an einer Fusion mit der CA Immo werken. Ab 2017 könnte das neue Haus gebaut sein.

Made in Münchhausen

Der Riese wankt, je schneller er neue Weichen stellt und alte Lasten abträgt, umso besser für Mitarbeiter und Konzern“

http://www.news.at/a/made-in-muenchhausen

Österreich bleibt ein Steuerparadies